CAPITOL

Schwetzingen (Baden-Württemberg), Herzogstr. 28

eröffnet: 18.10.1926
geschlossen: 23.09.1976
Sitzplätze: 580 (1930) - 600 (1958)
Architekt:  
Betreiber: Familie Helfrich                         1926-nach 1967

Schon lange geschlossen, liegt dieses imposante Gebäude - von der Aussenfassade sicher das schönste Kinogebäude der Rhein-Neckar-Region - schon lange im Dornröschenschlaf. 2006 debatierte der Schwetzinger Stadtrat über die Ausweisung des Areals als Sanierungsgebiet mit dem "Capitol" als Mittelpunkt. Die knappe Finanzlage verhinderte jedoch den Kauf des Gebäudes.

Hier der Eröffnungsbericht aus der Sonderbeilage der Schwetzinger Zeitung zur Eröffnung der Catitol-Lichtspiele am 8. Oktober 1926:

Klassische Bauformen, vereint mit neuzeitlicher Ausstattung, geben dem Gebäude ein heristisches Gepräge. Der grüne Terranovaputz, die altschwarze Falzpfannendachung lassen den Bau, von allen Seiten betrachtet, in vornehme Erscheinung treten.

Das Bauwerk besteht aus dem eigentlichen Theaterbau und dem angebauten Wohnhaus. Der Zugang zum Theater liegt in der Herzogstraße. Seitlich der offenen Säulenhalle sind die Kassenräume angeordnet. Von der Säulenhalle gelangt man in die geräumige Treppenhalle, zu deren beiden Seiten breite Treppen nach dem Ranggeschoß führen. In der Treppenhalle ist einerseits eine Kleiderablage, andererseits ein Verkaufsstand für allerlei Süßigkeiten eingebaut. Um störende Geräusche aus der Treppenhalle vom Theatersaal abzuhalten, ist eine reizend ausgestattete kleinere Halle, man könnte den Raum auch Foyer nennen, eingeschoben, an dessen Seiten beiderseits die Saalzugänge liegen. An der Längswand befinden sich die unmittelbaren Zugangstüren zu den Parterrelogen. An den Kopfseiten sind in diskreter Anordnung die Zugänge zu den Toiletten für Damen und Herren eingebaut. Die Einrichtung letzerer Räume ist in moderner, hygienisch einwandfreier Weise durchgeführt.

Der Theatersaal zeigt eine leichgeschwungene Decke. Einfache, vornehme Architektur, geschmackvolle, künstlerische Dekorationsmalerei, fein abgestimmte Tönung der Decke- und Wandfarbe in Verbindung mit der inderekten Beleuchtung geben dem Raum eine ungemein gemütvolle, erhebende Stimmung. Auch die Bestuhlung ist äußerst bequem und behaglich. Breite Zugänge fordern das Gefühl der Großzügigkeit. Im Zuschauerraum sind einschließlich der Logen und auf dem Rang 600 Sitzplätze vorhanden. Der Orchesterraum ist vertieft; anschließend wurde ein Stimmzimmer zum Stimmen der Instrumente eingebaut. Sämtliche Räume sind an der Niederdruck-Dampfheizung angeschlossen. Die zweckmäßige, nach neuzeitlichen Erfahrungen angelegte Entlüftungsanlage bewirkt eine mehrmalige stündliche Lufterneuerung im Saal.

In dem Raum wurde ferner eine Sprechbühne mit anschließenden Ankleideräumen eingebaut, so daß der Saal sehr wohl für Theateraufführungen, Konzerte und sonstige künstlerische Darbietungen benutzt werden kann.

Besondere Sorgfalt wurde auf die neuzeitliche Sicherung des Baues gelegt. Alle Räume, welche von Menschen beim Zugang oder Ausgang durchschritten werden müssen, sind mit feuersicheren Wänden und Decken ausgeführt. Zweckmäßig angeordnete Feuerschutzvorichtungen, Blitzschutzanlage, breite Ausgangstüren, deren Gesamtbreite das vorgeschriebene Maß um das Dreifache übersteigt, bieten eine größtmögliche Sicherheit für die Saalbesucher. Über allen Aufgangstüren sind besonders konstruierte, unabhängig von der Allgemeinen Beleuchtung brennende Dauerbeleuchtungen angeordnet.

Die Bauanlage wurde vom ersten Spatenstichan bis zur Eröffnung in 144 Werktagen vollendet.

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Bilder von 2003

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