WALL - KINO

Oldenburg (Niedersachsen) , Heiligengeistwall 3

eröffnet: 1914
geschlossen: 18.4.2007
Sitzplätze: 750 (1914) - 410/334 (1970) - / 300/250 (2006)
Architekt:  
Betreiber: Heinrich Meyer                                              1914                Kinoname: Wall-Lichtspiele

Keidel & Bartholomäus                                  1914-1918      L1615  

Karl Bartholomäus                                         1916-1918      L1642

Ella Mertens-Rösser                                       1918-1969

Theo Marseille , Bremerhaven                        1969-1976      neuer Kinoname: Wall-Kino

Horst Urhahn                                                 1976-1995

Detlev Rossmann                                           1995-2007

Dieses Kino wurde am 4. September 1914 von Keidel & Bartholomäus als erster Oldenburger Kinozweckbau mit ca. 750 Sitzplätzen nach fast einem Jahr Bauzeit eingeweiht. Das Äußere des Hauses ist sehr stark einem Theater nachempfunden, ebenso der Kinosaal, der mit einem ebenerdigen Parkett, einem amphitheaterartig aufsteigenden Rang und einer darüber liegenden Logenreihe versehen war. 1918 kaufte Ella Mertens-Rösser das Lichtspieltheater.

Ab Dezember 1945 wurde das Lichtspieltheater teilweise für die zivile Nutzung freigegeben, die restliche Zeit wurde es von den Besatzern genutzt. Erst 1948 stand es komplett der Zivilbevölkerung zur Verfügung. Die wurden immer noch von Ella Mertens-Rösser (mit Hans Westerhaus als Geschäftsführer) betrieben. Nach ihrem Tod  (ca.1957) beschäftigte die Erbengemeinschaft ihn weiter. Seit dem gleichen Jahr konnten hier auch CinemaScope-Filme gezeigt werden. Inhaltlich unterschied sich das Programm kaum von dem des „Capitols“.

Als Innenstadtkino mit guter Lage spielte es in den 60er Jahren ein möglichst breites Programm für alle Zielgruppen; eine Reduzierung der 28 wöchentlichen Vorstellungen erfolgte nicht. 1969 verkauften die Erben das Kino an den Bremerhavener Kinounternehmer Theo Marseille.

Dieser ließ es 1970 in ein Kinocenter mit zwei Sälen umbauen: Hierzu wurde zwischen dem Parkett und dem Rang eine Zwischendecke eingezogen. Die Anzeige des Kinos in der „NWZ“ vom 3. Juli 1970 gibt bekannt, dass das Kino wegen Umbaus vorübergehend geschlossen bleibt und dass hier zwei neue Filmtheater entstehen. Am 24. Juli präsentierte „sich das „Wall“ in neuer Gestalt und modernem Gewand“ und zeigte zur Eröffnung den Film „Wir hau’n die Pauker in die Pfanne“. Der Saal mit seinen 410 Plätzen trug ab sofort den Namen „Wall“, das im Erdgeschoss gelegene Kino „Cinema“ eröffnete mit 334 Plätzen wenige Tage später mit dem Romy-Schneider-Film „Der Swimming-Pool“.

Äußerlich wurde die historische Fassade von einer damals als modern empfundenen Aluminiumverkleidung verdeckt. Im November 1975 wurden im Nachbargebäude zusätzlich zwei kleine Säle mit je etwa 90 Plätzen eingerichtet, die die Namen „Studio 1“ und „Studio 2“ trugen. Somit wurde aus dem ehemaligen Filmpalast ein Kinocenter mit etwa 924 Plätzen.

1976 pachtete der ehemalige Filmvertreter Horst Urhahn das Kino, der zwei Jahre später mit der Übernahme der „Ziegelhof-Lichtspiele“ zum hiesigen Kino-Monopolisten aufstieg. Nun erfolgte auch eine Umbenennung der Säle; der obere größere Saal hieß ab sofort „Wall 1“, der untere Saal „Cinema 1“, die Kleinkinos wurden „Wall 2“ und „Cinema 2“ getauft. Die Filme, die hier gezeigt wurden, entsprachen in etwa dem oben geschilderten typischen Filmangebot der 70er- und 80er-Jahre. Vier Säle ließen zeitgleich ein „breites Programm“ für unterschiedliche Zielgruppen zu.

1995 pachtete Dr. Roßmann vom „Casablanca“ das Center. Mittlerweile existierten Pläne für ein Multiplex-Kino in Oldenburg... Um sich von der Atmosphäre eines Multiplexes zu unterscheiden, erfolgte im Herbst 1997 die Renovierung des Kinos in Anlehnung an den Stil der 20er-Jahre; hierbei wurde auch die alte hinter der Aluminiumfront verborgende Fassade wieder freigelegt und restauriert. Zudem erhielten beide Säle eine neue Digitalton-Technik und bequemere Bestuhlung, wodurch sich die Sitzplatzzahl auf 250 Plätze im „Cinema“ und 300 im „Wall“ reduzierte. Im April 1999 stellte er den Betrieb der beiden Schachtelkinos aus den 70er-Jahren ein.

Das nachfolgende Programm bestand größtenteils aus aktuellen (meist anspruchsvollen) Unterhaltungsfilmen (hin und wieder kam es zu Programmüberschneidungen mit dem CinemaxX) sowie aus größeren Arthouse-Produktionen.

Der Inhaber der Immobilie - Ulrich Marseille - kündigte 2007 den Vertrag mit seinem Pächter .Im April schloss das Traditionshauses.

Wall - Kino 1914

(Foto: Detlev Rossmann)

                                   Wall - Kino  1930

                                 (Foto: Detlev Rossmann)                   

Das Lichtspieltheater im Jahre 1930
                                   Saal  (Foto: Detlev Rossmann)
   Nadeltonanlage Ende 20er

   (Foto: Detlev Rossmann)

                         1971: Die Zuckerbäckerfassade hinter einer                           Aluverkleidung   

 

2004: Seit 1997 erstrahlt der Prachtbau wieder im alten Glanz      

                                     

Quellennachweis:

Die Informationen zu den Oldenburger Kinos stammen aus meiner Diplomarbeit "Die Kinoentwicklung in der Region Oldenburg / Ostfriesland zwischen 1945 und 2004". Hier befinden  sich auch die Angaben zu den von mir verwendeten Quellen. Als Grundlage dienten alte Filmtheater-Adressbücher, Zeitungsartikel der "NordWest-Zeitung" sowie "Protze, Judith 2004: "„Oldenburger Lichtspiele – Film- und Kinogeschichte(n) der Stadt Oldenburg“, Oldenburg: BIS-Verlag"

Stephan Bents

Vielen Dank an Stephan Bents für die Gestaltung dieser Seite

Vielen Dank auch an Thomas Köhn für die Vermittlung der Bilder von Herrn Rossmann (auch ihm vielen Dank !)

Ja, allekinos.com wird noch zur grössten Danksagungsseite im Internet..

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