GRAFSCHAFTER  LICHTSPIELE

Moers (Nordrhein-Westfalen), Homberger Str. 20

eröffnet: März 1908
geschlossen: um 2000
Sitzplätze: 390 (1918) - 350 (1924) - 408 (1930) - 766 (1940) - 996 (1958) 506/184 (1980)
Architekt: Kunz & Brenhans, Moers
Betreiber: H. Justus                              mind.1918-mind.1920           Kinoname: Grafschafter Theater

Carl und Friedrich Fenster   1924

Familie Frankholz                1925-mind.1967                    neuer Kinoname nach 1945: Grafschafter LS

Hedwig Wirges                    mind. 1980-mind.1997

Bei der Eröffnung wurde das Haus noch "Grafschafter Theater" genannt.

Es war eins der ersten Beispiele für eigenständige Kinoneubauten mit aufwendiger Fassadengestaltung.

Auf den ersten Blick sah man sofort die Bestimmung: Schwere, paarig rechts und links vom Eingang verteilte Postamente trugen mächtige Säulen, bekrönt von wuchtigen Vasen. Über dem Portal befand sich das von zwei Löwen gehaltene Wappen der Grafschaft Moers. Das Mittelfeld wurde durch zwei zierliche Pfeiler in drei Rauten gegliedert, die in Bleiverglasung die Musik und den Tanz allegorisch dargestellt zeigten. Diese Pfeiler waren der Stützpunkt eines gegliederten Aufbaues. Den Abschluß in der Mitte bildeten 4 Gestalten in Höhe von fast 3 Metern, in klassischer Gewandung, Schiller, Goethe, Beethoven und Wagner darstellend, Rechts und links von den Säulen waren wieder hohe Fenster in Opalescentglas - mit stilvollen modernen Ornamenten geschmückt - eingelassen. Sämtliche Fenster waren von innen heraus elektronisch beleuchtet.

Trat man durch das Portal, welches wiederum von mit Lasursteinen verzierte Säulen war, stand man in der Vorhalle. Kasse, Wände, das Büro des Direktors sowie die großen Pendeltüren - rechts Eingang, links Ausgang des Saales - waren allesamt in Natureiche gehalten. Die violett getönte Kasettengecke strahlte in zahlreichen elektrischen Glühbirnen. Der Boden in Terazzo zeigte hübsch stilisierte, dem Ganzen angepasste Motive.

10 Stufen führten in den eigentlichen Theaterraum. Der Saal war in vornehmes Rot gekleidet. Eine vollständige, 6 m hohe Bühne nahm den Vordergrund ein. Für die Ausfüllung der Pausen sowie zur Begleitung der dramatischen Bilder wurde künstlerische Klaviermusik gewählt.Zirka 500 Klappsitze -teilweise gepolstert - waren so angeordnet, daß jeder Besucher vollständig die Bildfläche übersehen konnte. An den Wänden entlang führten Gänge zu bequemen Notausgängen, so das nicht - wie man es damals oft antraf - die beste Sicht auf das Bild in der Mitte des Raumes durch einen Gang in Anspruch genommen wurde. Die Ventilation des Saales wurde durch Patentoberlichtöffner sichergestellt.

Der Keller war eingeteilt in Maschinenraum, Kohlenlager und Heizraum. Ein Zwillingsmotor von 30 PS sowie eine Dynamomaschine bildeten die Ausstattung des Maschinenraumes.

Signifikante Umbauten mit Vergrößerung des Sitzplatzangebotes gab es Ende der 30er sowie in den 50er-Jahren.

In den 70ern wurde das Haus in zwei Säle geteilt.

Heute steht an dieser Stelle ein Neubau.

Fassadenentwurf 1908 (Bildquelle: Der Kinematograph 61)

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