| KINO - CENTER (Deli) |
Leer (Niedersachsen) , Vaderkoborg - Denkmalsplatz
| eröffnet: | 1953 |
| geschlossen: | in Betrieb |
| Sitzplätze: | 702 (1953) - nach mehreren Umbauten aktuell: 255 + 199 + 198 + 139 + 109 |
| Architekt: | |
| Betreiber: | Heinrich Buschmann / Frido
Buschmann 1953-ca.1990 Vereinigte Filmtheater-Betriebs-GmbH ca. 1990-ca.1994 Groteheide Ostfriesische Filmtheater GmbH ca.1994-ca.1999 Ostfriesischen Filmtheater GmbH seit ca.1999 |
In den Jahren 1952 / 1953 ließ Heinrich Buschmann am Denkmalsplatz die Deli-Lichtspiele (abgeleitet von Denkmal-Lichtspiele) mit 702 Plätzen errichten. Die Ostfriesen-Zeitung schwärmte bereits während der Bauphase von dem modernsten Lichtspielhaus Ostfrieslands. Am 18.Dezember 1953 fand die feierliche Eröffnung mit der Vorführung des Farbfilms Der Vogelhändler statt. Die lokale Presse beschrieb das neue Kino wie folgt: Wir betreten durch die Säulenhalle, die mit Steinplatten ausgelegt worden ist und in der strahlendes Licht auf die Schaukästen fällt, das Foyer des Hauses, das zweifellos zu einem repräsentativen Raum ausgestattet worden ist. Von der Decke strahlt aus drei Kuppeln dreifärbiges, gedämpftes Licht, das sich mit dem helleren Schein aus den beiden Kassen, aus dem Verkaufsraum für Süßigkeiten und den beiden verpachteten Schaukästen vermischt. Zwei mit Läufern ausgelegte Gänge führen in den Kinosaal, der mit besonders starkem Gefälle zur Leinwand gebaut wurde und gute Sichtverhältnisse ermöglicht. Der große Raum ist ringsum mit einem im dunklen Farbton gehaltenen Tuch ausgeschlagen und wird ebenfalls von einer indirekten Beleuchtungsanlage in gedämpftes Licht getaucht. [ ]Die Preise liegen zwischen ein und zwei Mark. [ ] Auf sechs Plätzen wurde eine Schwerhörigenanlage geschaffen. Dem schwerhörigen Besucher steht ein Kopfhörer zur Verfügung und von seinem Platz kann er an einer Apparatur die gewünschte Lautstärke des Tones einstellen. [ ] Die Breite der Bühne nimmt die gesamte Rückwand des Hauses ein. Dadurch sind bereits die Voraussetzungen geschaffen worden, später auch Filme nach dem CinemaScope - Verfahren zu zeigen, jenem Verfahren, das sich wahrscheinlich in der plastischen Wiedergabe von Bildern endgültig durchsetzen wird.
Anhand der Beschreibung lassen sich die Größe und Einrichtung dieses Kinos vorstellen. Die von dem Autor beschriebene Schwerhörigenanlage war zu jener Zeit in vielen neu erbauten Kinos installiert. Heinrich Buschmann muss schon bei der Planung mit der baldigen Durchsetzung des CinemaScope-Films gerechnet haben. Er wird überzeugt gewesen sein, dass in dieser Technik die Zukunft liegt, obwohl es während der Planungs- und Bauphase des Kinos erst einen Film dieses Formats (1953: The Robe) gab.
Etwa zu Beginn der 70er-Jahre ließ Friedo Buschmann das
Deli zu einem Center umbauen: Direkt neben dem alten
Lichtspielhaus entstand im Garten das City mit 198
Plätzen; es bot ein Kontrastprogramm. Da der 702 Personen
fassende große Saal des ursprünglichen Deli nur
noch selten ausverkauft war, entschied sich Buschmann, ihn zu
zwei kleineren Service- und Raucherkinos umzubauen: Im ersten
Stockwerk entstanden so nach einem halben Jahr Bauzeit das neue
Deli mit 255 Plätzen und das Roxy mit
129 Plätzen; ein Teil des Erdgeschosses wurde in ein Ladenlokal
umgewandelt, hier zog ein Spezialgeschäft für Herrenbekleidung
(Herrenhaus) ein. In den Sälen stand den Zuschauern
ein breit gefächertes Programm zur Auswahl, zudem ließen sich
während der Vorstellung per Knopfdruck Getränke an den Platz
bestellen.
Das City diente ab sofort dem Abspielen eines
gepflegten Programms. Durch die Verbreiterung seiner
Abspielbasis stellte Buschmann den Betrieb des
Urania-Theaters in der Norderstraße ein. Gegen Ende
der 70er-Jahre erweiterte er das Center mit dem
Urania-Theater um ein viertes Kino mit 139 Plätzen.
Nun konnten die Zuschauer in allen Sälen Getränke bestellen und
rauchen.
Die Betreiberwechsel des Leeraner Kino-Centers entsprachen denen der Städte Emden und Norden, die auch Friedo Buschmann gehören: Er verpachtete es etwa 1990 an die Vereinigte Filmtheater-Betriebs-GmbH aus Hannover, ab etwa 1994 wurde das Kino von der Groteheide Ostfriesische Filmtheater GmbH bespielt. Etwa zu der Zeit dieses Wechsels ereignete sich in dem Kino ein Brand. Daraufhin wurde in dem kaum zerstörten Außengebäude ein neues Center mit fünf Sälen und insgesamt 900 Plätzen als Verzehr- und Raucherkino eingerichtet. Seit etwa 1999 wird es von der Ostfriesischen Filmtheater GmbH (Kinobetriebe Muckli) geführt. Die Säle wurden nach und nach mit den neuen Digital-Tonsystemen ausgerüstet. Im November 2004 wurde der große Saal renoviert; hier werden ähnliche baulichen Maßnahmen wie im Norder Apollo 1 durchgeführt worden sein. Seither ist das Rauchen in den Sälen nicht mehr gestattet. Das Filmprogramm sowie die Altersstruktur der Besucher gleichen denen anderer Center.
Quellennachweis:
Die Informationen zu den Kinos stammen aus meiner Diplomarbeit "Die Kinoentwicklung in der Region Oldenburg / Ostfriesland zwischen 1945 und 2004". Hier finden Sie auch die genauen Angaben zu den von mir verwendeten Quellen. (Auf genauere Fußnoten verzichte ich hier aus organisatorischen & zeitlichen Gründen.) Als Forschungsgrundlage dienten alte Filmtheater-Adressbücher und Interviews mit den (ehemaligen) Betreiberinnen und Betreibern.
Vielen Dank an Stephan Bents für die Gestaltung dieser Seite
zurück zur Liste Niedersachsen