KAMMERLICHTSPIELE

Berlin, Köthener Str. 1-5

eröffnet: 02.02.1912
geschlossen: 1943
Sitzplätze: 1230 (1918) - 1414 (1930) - 1413 (1942)
Architekt: Franz Schwechten - Carl Urach-Stahl (Neugestaltung 1927)
Betreiber: Neue Kammerspiele GmbH (Prok: Otto Hammerstein)     mind.1917-mind.1918

Ufa                                                                                  mind.1920-1943

Zur Eröffnung schrieb die "Lichtbildbühne":

Der Potsdamer Platz - ein Brennpunkt des Berliner Verkehrs - dessen Regelung trotz des Londoner Musterbeispiels auf dem Piccadilly durch unsere Blaumänner noch nicht gelungen ist, bietet dem Auge, wenn es sich von der Leipziger Straße aus nach links wendet, die wuchtige Front des Potsdamer Bahnhofs dar. Dicht daneben, also am und nicht auf dem Potsdamer Platz, steht jetzt das prächtige neue Monumentalgebäude , das von der Meisterhand des geheimen Baurats und Professor Franz Schwechten entworfen und erbaut wurde.

Die vordere Rumpf-Fassade gehört dem Café Piccadilly, während im langgstreckten Hinterbau das Kinotheater, durch drei Etagen sich erstreckend, eingerichtet ist.

Von zwei Straßenseiten aus kann die Besucherschar die Theaterräume betreten. Es besteht aus dem Foyer und Theaterrestaurant im Erdgeschoß. Schon die räumliche Verquickung von Garderobeablage und Restaurant ist unglücklich und läßt keinen behaglichen Eindruck aufkommen. Am Garderobentisch ist die stilistisch nicht gelungene Vorschrift zu lesen, das die "Überkleider" vor dem Betreten des "Vorführraumes" abgelegt werden müssen. (lies: Theatersaal)

Parkett und Rang bieten Platz für 1200 Personen. Das eingeladene Publikum war richtig erwählt: man bemerkte viel Theater, Finanz, Literatur, schöne Frauen, die üblichen Premierenhabitués und all die vielen Eitlen, die nicht sehen wollen, sondern nur selbst gesehen werden wollen.

Diese Mischung des Premierenpublikums entscheidet über Erfolg oder Durchfall. In regietechnischer und künstlerischer Hinsicht ist leider das Letztere eingetreten. Wir bedauern dies ehrlich und schmerzlich, denn wer für ein neues Weltstadt-Kinema die geistige Elite Berlins einlädt, hat die Verpflichtung, die lebende Bilderkunst in der Höchstentwicklung zu zeigen.

Wir haben noch kein großstädtisches Kinema gesehen, das solch´ schlechte und hilflose Orchesterbesetzung aufwies, wie hier. Sie paßte überhaupt nicht zu der prächtigen, stilechten und wirklich geschmackvoll-eleganten Saalausstattung. Schade, daß in diesem förmlich in Harmonie getauchten Raum die bitter notwendige Theater-Regie der Kinema-Praxis und der künstlerische Blick für die Darbietungen selbst fehlen. Schade, daß in der Hofloge Prinz Friedrich, der Großherzog von Oldenburg, nebst Gemahlin und kleinem Gefolge anwesend waren. Wenn wir schon nach unten hin ordinär in "Schundfilms" machen, dürften wir wenigstens nach oben hin nicht Kopfschütteln verursachen.

1943 fiel das Kinotheater dem Bombenkrieg zum Opfer und stand als Ruine bis in die Wendezeit.

Zum Gebäude gibt es auch eine schöne Webseite sowie ein Wikipedia-Artikel.

im Krieg zerstörte Kammerlichtspiele 1976

Vielen Dank an Uwe Friedrich für das Bild.

Weitere Bilder finden Sie hier und hier

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